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Die 5 größten Irrtümer des Einkaufs

Christina Frost

Christina Frost

Senior Consultant
ADCONIA

Die 5 größten Irrtümer des Einkaufs

In diesem Blogbeitrag geht es um fünf weit verbreitete Irrtümer im Einkauf, die dazu führen, dass Einkauf in vielen Organisationen unterschätzt und zu operativ gedacht wird. Im Fokus steht, warum moderner Einkauf weit mehr ist als Kosten senken und Bestellungen abwickeln: als strategischer Hebel für Lieferfähigkeit, Risikomanagement sowie bessere Entscheidungen durch Markttransparenz und belastbare Lieferantenbeziehungen.

Einkauf wird in vielen Organisationen immer noch unterschätzt. Zu oft wird er auf zwei Aufgaben reduziert: Preise drücken und Bestellungen abwickeln. Das ist verständlich – Einsparungen sind sichtbar, leicht zu messen und schnell zu kommunizieren. Aber es ist eben nur ein Ausschnitt.

Moderner Einkauf ist ein strategischer Hebel. Er sichert Lieferketten, managt Risiken, stärkt Wettbewerbsfähigkeit und sorgt dafür, dass das, was entschieden und verhandelt wurde, auch wirklich im Alltag ankommt. In der Praxis begegnen uns dabei immer wieder dieselben Denkfehler – und sie verhindern, dass Einkauf sein Potenzial entfaltet.

Irrtum 1: Der Einkauf ist vor allem dazu da, Kosten zu senken.

Dieser Satz ist so verbreitet, dass er fast wie ein Naturgesetz wirkt. Ja: Kostenmanagement ist sehr wichtig. Aber wenn der Einkauf auf Savings reduziert wird, passieren zwei Dinge: Erstens verengt sich der Blick auf den Preis statt auf den Gesamtwert (Total Cost of Ownership, Versorgungsrisiken, Qualität, Flexibilität, Innovationsfähigkeit). Zweitens wird Einkauf reaktiv: Er kommt erst dann ins Spiel, wenn es um Freigaben oder Rabatte geht – nicht, wenn die eigentlichen Weichen gestellt werden.

Einsparungen sind sichtbar, aber nur ein Teil der Wahrheit. Der echte Job liegt auch in Risikomanagement, Lieferkontinuität und belastbaren Lieferantenbeziehungen.

Was stattdessen zählt: Lieferfähigkeit sicherstellen (insbesondere bei kritischen Warengruppen, Single-Source und volatilen Märkten), Risiken früh erkennen (Lieferantenbonität, Kapazitäten, geopolitische Abhängigkeiten, Vertragsrisiken) und den Wertbeitrag sichtbar machen – nicht nur „€ gespart“, sondern auch „Ausfall verhindert“, „Time-to-market beschleunigt“ oder „Qualität stabilisiert“.

Irrtum 2: Die besten Verhandler sind die lautesten im Raum.

Man kennt das Bild: Harte Ansagen, Dominanz, maximaler Druck. In der Realität führt „laut“ selten zu „gut“ – und fast nie zu nachhaltig gut. Vorbereitung schlägt Lautstärke. Wer Stille aushält und gut vorbereitet ist, erzielt die besseren Ergebnisse.

Gute Verhandlung ist weniger Show und mehr Handwerk. Ziele, BATNA (Best Alternative to a Negotiated Agreement) und Limits müssen klar sein. Kosten- und Werttreiber sollten verstanden werden, statt nur pauschal Prozente zu fordern, Optionen gehören vorbereitet (Alternativlieferanten, Spezifikationsvarianten, Losgrößen, Laufzeiten, Service-Level). Und ganz entscheidend: Stakeholder-Alignment passiert idealerweise bevor man beim Lieferanten aufschlägt. Gerade in angespannten Liefermärkten gewinnt nicht der Lauteste, sondern der, der die Situation sauber analysiert und Beziehungen professionell führt.

Irrtum 3: Der Einkauf trifft die Entscheidung.

Formal steht der Einkauf oft im Prozess: Ausschreibung, Angebotseinholung, Vergabeempfehlung. Faktisch ist der Lieferant aber in vielen Fällen schon gesetzt, bevor der Einkauf überhaupt eingebunden wird. Dann wird aus Auswahl ein Absichern.

Das ist riskant: Wettbewerb wird simuliert statt genutzt, Verhandlungsspielräume schrumpfen, Abhängigkeiten werden zu spät adressiert und Einkauf wird zum Compliance-Checkpoint statt zum Werttreiber. Hilfreich ist es, den Einkauf früh in Bedarfsklärung und Spezifikationsdefinition zu integrieren und Governance so zu gestalten, dass der Einkauf nicht am Ende unterschreibt, sondern vorher mitgestaltet. Die Rollen sollten klar sein: Der Fachbereich definiert den Bedarf; der Einkauf gestaltet Marktansprache, Risiko- und Vertragsrahmen und moderiert die Entscheidung.

Irrtum 4: Lieferanten sind die größte Herausforderung.

Natürlich: Lieferanten können schwierig sein. In vielen Organisationen liegt die größere Reibung jedoch intern. Interne Stakeholder fordern den Einkauf häufig stärker heraus als externe Partner. Wer das ignoriert, kämpft gegen die falsche Seite.

Typische interne Hürden sind unrealistische Zeitpläne, fehlende Spezifikationen, vorab festgelegte Anbieter, uneinheitliche Anforderungen (Technik vs. Qualität vs. Finance) oder Schattenbeschaffung. Moderner Einkauf ist daher auch Schnittstellen- und Change-Management: Erwartungen moderieren, Transparenz über Kosten und Risiken schaffen, Prozesse so bauen, dass sie helfen, statt zu blockieren und Stakeholder mitnehmen – ohne die Einkaufsprinzipien abzuschwächen.

Irrtum 5: Mit dem Vertragsabschluss ist die Arbeit getan.

Wenn der Vertrag unterschrieben ist, fängt die Arbeit oft erst richtig an. Der Wert entsteht in der Umsetzung: Leistungserbringung, Qualität, Liefertermine, Eskalationen, Nachverhandlungen und Performance-Tracking. Was verhandelt wurde und was am Ende geliefert wird, sind oft zwei verschiedene Dinge.

Ein unterschätzter Hebel ist konsequentes Supplier- und Contract-Management: KPIs und SLAs messbar machen (und nicht nur im Vertrag stehen lassen), Regeltermine und Reviews etablieren (z. B. Quarterly Business Reviews), Abweichungen früh erkennen (Lieferperformance, Qualität, Preis- oder Indexklauseln) und Lessons Learned in die nächste Vergabe zurückspielen. Hier trennt sich der Einkauf als Projekt vom Einkauf als System.

Fazit

Die fünf Irrtümer haben einen gemeinsamen Kern: Einkauf wird zu spät, zu eng oder zu operativ verstanden. Wer Einkauf als strategische Funktion positioniert, gewinnt einen Hebel, der weit über Einsparungen hinausgeht: Stabilere Versorgung, geringere Risiken, bessere Entscheidungen durch Markttransparenz, stärkere Lieferantenbeziehungen sowie eine nachweisbare Einhaltung dessen, was vertraglich vereinbart wurde.

ADCONIA – Außerhalb des Gewöhnlichen.

Beratung für Einkauf, Supply- und Value Chain mit dem Fokus auf Kostenmanagement, Digitalisierung, Organisationsentwicklung und Nachhaltigkeit.

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