
Christina Frost
Nachhaltiger Einkauf: Wie Unternehmen Lieferketten und CO₂ im Griff behalten
Nachhaltiger Einkauf ist für Unternehmen kein „nice to have“ mehr, er ist strategische Notwendigkeit. Dieser Blogbeitrag zeigt, wie Einkaufsabteilungen mit drei konkreten Hebeln Wirkung erzielen: durch transparente Lieferketten, durch gezielte Regionalstrategie zur Senkung von CO₂-Emissionen und Transportkosten sowie durch messbare Klimaziele. Mit den richtigen Werkzeugen und Partnerschaften wird nachhaltiger Einkauf zum Wettbewerbsvorteil.
Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr; sie ist zum strategischen Imperativ für Unternehmen geworden. Gerade im Einkauf entscheiden tägliche Beschaffungsentscheidungen darüber, wie groß der ökologische Fußabdruck eines Unternehmens wirklich ist. Wer Lieferketten kennt und Regionalität konsequent nutzt, spart nicht nur CO₂, sondern stärkt auch Resilienz und Reputation.
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Lieferketten verstehen – bevor man sie optimiert
Viele Unternehmen kennen ihren direkten Lieferanten, aber nicht dessen Lieferanten. Doch genau dort entstehen oft die größten Emissionen und Risiken. Eine belastbare Nachhaltigkeitsstrategie beginnt deshalb mit Transparenz: Wo kommt jede Komponente her? Welche Transportwege werden genutzt? Welche Produktionsbedingungen herrschen?
Praktische Einstiegspunkte für Einkäufer:
- Lieferantenbefragungen mit standardisierten CO₂-Fragebögen (z. B. CDP-Supply-Chain-Programm)
- Spend-Analyse nach Risikoländern und emissionsintensiven Warengruppen
- Nutzung von Tools wie EcoVadis oder Sedex zur Lieferantenbewertung
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Regionalität & Saisonalität als Einkaufsstrategie
Regionale Beschaffung reduziert nicht nur Transportemissionen, sie verkürzt Lieferketten, senkt Abhängigkeiten und stärkt lokale Wertschöpfung. Gerade nach den Lieferengpässen der letzten Jahre hat das Argument der Resilienz erheblich an Gewicht gewonnen.
Dabei gilt: Regional bedeutet nicht automatisch teurer. Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung Total Cost of Ownership (TCO) inklusive Transportkosten, Lagerhaltung und Risikoprämien.
Konkrete Maßnahmen im Einkauf:
- Präferenzklauseln für Lieferanten im DACH-Raum oder EU-Binnenmarkt in Ausschreibungen verankern
- Saisonale Bedarfsplanung mit Produktion und Logistik abstimmen
- Rahmenverträge mit regionalen Partnern zur Planungssicherheit auf beiden Seiten
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CO₂ messbar machen: Von der Vision zum KPI
Was nicht gemessen wird, wird nicht gesteuert. Für Einkaufsabteilungen bedeutet das: Scope-3-Emissionen – also die indirekten Emissionen in der Lieferkette – müssen erfasst und in Einkaufsentscheidungen integriert werden. Scope 3 macht bei vielen Unternehmen über 70 % der Gesamtemissionen aus.
Ein dreistufiges Vorgehen hat sich bewährt:
- Messen: Spend-basierte oder aktivitätsbasierte CO₂-Berechnung je Warengruppe
- Ziele setzen: Reduktionspfade je Kategorie definieren (z. B. –20 % bis 2027)
- Lieferanten einbeziehen: CO₂-Ziele als Vergabekriterium und in SLAs verankern
Fazit: Nachhaltigkeit ist kein Kostentreiber, sondern ein Wettbewerbsvorteil
Unternehmen, die ihren Einkauf konsequent auf Nachhaltigkeit ausrichten, profitieren langfristig: geringere Versorgungsrisiken, bessere Lieferantenbeziehungen, niedrigere Betriebskosten durch Effizienz und nicht zuletzt ein stärkeres Standing gegenüber Kunden, Investoren und Regulatoren. Der Weg dorthin beginnt mit Transparenz, wird über messbare Ziele gesteuert und durch regionale Partnerschaften gestärkt.
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