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Oliver Kreienbrink

Was ist Preferred Supplier Management und wie setzt man es um?

Allgemein
Aufgeklappter Lieferantenordner mit Bewertungsdokumenten und Kugelschreiber auf modernem Büroschreibtisch, weitere Ordner im Hintergrund.

Preferred Supplier Management ist eine Strategie im strategischen Einkauf, bei der ein Unternehmen aus seinem Lieferantenpool eine ausgewählte Gruppe bevorzugter Lieferanten definiert, priorisiert und gezielt entwickelt. Ziel ist es, durch enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit wenigen, leistungsstarken Lieferanten bessere Konditionen, höhere Qualität und mehr Versorgungssicherheit zu erzielen als im klassischen Standardeinkauf. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Kriterien und Umsetzung eines Preferred Supplier Programms.

Welche Vorteile bietet Preferred Supplier Management gegenüber dem Standardeinkauf?

Preferred Supplier Management schafft gegenüber dem Standardeinkauf messbare Vorteile in den Bereichen Kosten, Qualität und Liefersicherheit. Statt bei jeder Bestellung neu zu verhandeln, profitiert das Unternehmen von vorverhandelten Rahmenkonditionen, priorisierten Kapazitäten und einem tieferen gegenseitigen Verständnis der Anforderungen. Das spart Zeit, reduziert Risiken und stärkt die gesamte Supply Chain.

Im klassischen Standardeinkauf werden Lieferanten primär nach dem günstigsten Angebot ausgewählt. Das klingt zunächst kosteneffizient, führt aber oft zu versteckten Kosten: häufige Lieferantenwechsel, mangelnde Qualitätskontinuität und fehlende Planungssicherheit. Preferred Supplier Management dreht diese Logik um. Durch die Konzentration auf bewährte Partner entstehen Skaleneffekte, Prozesseffizienz und echte Partnerschaft.

Konkrete Vorteile im Überblick:

  • Kostenstabilität: Rahmenverträge und Volumenkonzentration ermöglichen bessere Preise und planbare Einkaufskosten durch gezielte Einkaufsoptimierung.
  • Höhere Qualität: Preferred Supplier kennen die Anforderungen des Unternehmens und liefern zuverlässiger.
  • Versorgungssicherheit: Bevorzugte Lieferanten priorisieren ihre Stammkunden, besonders in Engpasssituationen.
  • Innovationspotenzial: Enge Zusammenarbeit fördert gemeinsame Produktentwicklung und frühzeitige Marktinformationen.
  • Weniger Verwaltungsaufwand: Standardisierte Prozesse mit festen Lieferanten reduzieren den operativen Aufwand erheblich.

Nach welchen Kriterien werden Preferred Supplier ausgewählt?

Preferred Supplier werden nach einem strukturierten Kriterienkatalog ausgewählt, der Preis, Qualität, Lieferzuverlässigkeit, Innovationsfähigkeit und strategische Passung bewertet. Ein einzelnes Kriterium reicht nicht aus. Die Auswahl basiert auf einer gewichteten Gesamtbeurteilung, die sowohl harte Kennzahlen als auch strategische Faktoren berücksichtigt.

Typische Auswahlkriterien lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:

Operative Leistungskriterien

  • Liefertreue und Termineinhaltung (gemessen in Prozent der pünktlichen Lieferungen)
  • Qualitätsquoten und Reklamationsrate
  • Reaktionszeit bei Störungen und Eskalationen
  • Wettbewerbsfähigkeit der Preise im Marktvergleich

Strategische Eignungskriterien

  • Finanzielle Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Lieferanten
  • Innovationsbereitschaft und Entwicklungskompetenz
  • Nachhaltigkeitsstandards und ESG-Konformität
  • Kulturelle und prozessuale Kompatibilität mit dem eigenen Unternehmen
  • Bereitschaft zur Transparenz, zum Beispiel durch Offenlegung von Kostenstrukturen

Wichtig ist, dass die Kriterien nicht einmalig angewendet werden. Ein funktionierendes Preferred Supplier Programm überprüft die Erfüllung dieser Kriterien regelmäßig und passt die Lieferantenbewertung dynamisch an veränderte Anforderungen an.

Wie viele Preferred Supplier sollte ein Unternehmen haben?

Es gibt keine universelle Zahl, aber die Praxis zeigt: Weniger ist mehr. Für die meisten Warengruppen reichen ein bis drei Preferred Supplier aus. Die optimale Anzahl hängt vom Einkaufsvolumen, der Marktstruktur und der strategischen Bedeutung der jeweiligen Warengruppe ab.

Eine zu große Liste von Preferred Suppliern verwässert den Effekt. Wenn zwanzig Lieferanten als bevorzugt gelten, kann keiner von ihnen wirklich priorisiert behandelt werden. Das Prinzip der Konzentration ist entscheidend: Das Einkaufsvolumen muss ausreichend gebündelt sein, damit der Lieferant einen echten Anreiz hat, Vorzugskonditionen und Kapazitäten bereitzustellen.

Als Orientierung gilt:

  • Strategische A-Lieferanten: ein bis zwei Preferred Supplier pro Warengruppe, mit exklusiver oder nahezu exklusiver Volumenvergabe
  • Taktische B-Lieferanten: zwei bis drei Preferred Supplier, um Abhängigkeiten zu vermeiden und Wettbewerb aufrechtzuerhalten
  • Standardlieferanten: kein Preferred-Status, Auswahl weiterhin über Ausschreibung

Dual Sourcing, also die Vergabe an zwei Preferred Supplier, empfiehlt sich immer dann, wenn ein Lieferantenausfall kritische Versorgungsrisiken auslösen würde.

Wie implementiert man Preferred Supplier Management Schritt für Schritt?

Preferred Supplier Management wird in fünf aufeinanderfolgenden Schritten implementiert: Analyse des Lieferantenportfolios, Definition der Auswahlkriterien, Bewertung und Selektion, Formalisierung der Partnerschaft sowie kontinuierliches Monitoring und Entwicklung. Ohne eine strukturierte Vorgehensweise bleibt das Programm ein Label ohne Substanz.

  1. Lieferantenportfolio analysieren: Bestehende Lieferanten nach Warengruppen, Volumen und Leistung clustern. Transparenz über die aktuelle Lieferantenlandschaft ist die Grundlage jeder Entscheidung.
  2. Kriterien und Gewichtung festlegen: Unternehmensspezifische Auswahlkriterien definieren und priorisieren. Die Kriterien müssen zur Unternehmensstrategie passen, zum Beispiel eine stärkere Gewichtung von Nachhaltigkeit bei ESG-Verpflichtungen.
  3. Lieferanten bewerten und selektieren: Strukturierte Lieferantenbewertung durchführen, Ergebnisse dokumentieren und Preferred Supplier auf Basis der Gesamtbewertung festlegen.
  4. Partnerschaft formalisieren: Rahmenverträge, Service Level Agreements und gemeinsame Entwicklungsziele vereinbaren. Der Preferred-Status muss für beide Seiten klar definiert sein.
  5. Regelmäßig überprüfen und entwickeln: Quartals- oder Jahresgespräche mit Preferred Suppliern etablieren, Leistungsdaten auswerten und den Status bei Bedarf anpassen oder entziehen.

Welche Rolle spielt Digitalisierung im Preferred Supplier Management?

Digitalisierung ist kein optionaler Zusatz, sondern eine Voraussetzung für ein skalierbares Preferred Supplier Management. Digitale Tools ermöglichen die kontinuierliche Lieferantenbewertung, automatisieren Bestellprozesse mit Preferred Suppliern und schaffen die Datenbasis, auf der strategische Entscheidungen beruhen.

In der Praxis unterstützt Digitalisierung das Preferred Supplier Management auf mehreren Ebenen:

  • Lieferantenbewertung in Echtzeit: Systeme wie Supplier-Management-Plattformen oder ERP-Integrationen erfassen die Lieferperformance automatisch und machen Abweichungen sofort sichtbar.
  • Automatisierte Bestellprozesse: Preferred Supplier können bevorzugt in Katalog- und Bestellsysteme integriert werden, was Maverick Buying reduziert.
  • Risikomanagement: Digitale Lösungen ermöglichen das frühzeitige Erkennen von Lieferantenrisiken durch Monitoring von Finanzdaten, Lieferkettenereignissen und Marktveränderungen.
  • Kollaboration und Transparenz: Portale für den Datenaustausch mit Lieferanten fördern die gemeinsame Planung und reduzieren Informationsasymmetrien.

Der Digitalisierungsgrad muss zur Komplexität des Lieferantenportfolios passen. Unternehmen mit wenigen, strategischen Preferred Suppliern kommen oft mit einer soliden ERP-Integration aus. Wer hingegen ein großes, internationales Lieferantennetzwerk steuert, profitiert von spezialisierten Supplier-Management-Systemen.

Welche Fehler sollte man beim Aufbau eines Preferred Supplier Programms vermeiden?

Die häufigsten Fehler beim Aufbau eines Preferred Supplier Programms sind zu viele Preferred Supplier, fehlende Konsequenz bei der Volumenvergabe und mangelndes Monitoring nach der Selektion. Ein Programm, das nur auf dem Papier existiert, erzeugt weder Einsparungen noch Partnerschaft.

Folgende Fehler treten in der Praxis besonders häufig auf:

  • Preferred-Status ohne Volumenkonzentration: Wenn das Einkaufsvolumen nicht tatsächlich auf Preferred Supplier konzentriert wird, fehlt der gegenseitige Anreiz für Vorzugskonditionen.
  • Zu viele Lieferanten im Preferred-Pool: Eine aufgeblähte Liste verwässert den Status und macht eine echte Partnerschaft unmöglich.
  • Einmalige Bewertung ohne Folge-Monitoring: Die Lieferantenperformance verändert sich. Wer nach der Selektion nicht regelmäßig überprüft, verliert den Überblick und hält an schwachen Partnern fest.
  • Fehlende interne Kommunikation: Wenn der Preferred-Status nicht in Bestellprozessen und Systemen verankert ist, kaufen Mitarbeiter weiterhin bei nicht-bevorzugten Lieferanten ein.
  • Keine klaren Konsequenzen bei Nicht-Erfüllung: Preferred Supplier müssen wissen, dass der Status entzogen werden kann. Ohne diese Konsequenz verliert das Programm seine Steuerungswirkung.

Wie ADCONIA beim Aufbau Ihres Preferred Supplier Managements unterstützt

Ein wirksames Preferred Supplier Programm aufzubauen, erfordert mehr als eine gute Idee. Es braucht strukturierte Methodik, Erfahrung aus der Praxis und den Mut, Lieferantenbeziehungen konsequent neu zu gestalten. Genau hier setzen wir an.

Als spezialisierte Beratung für Einkauf und Supply Chain begleiten wir Unternehmen von der ersten Analyse bis zur operativen Umsetzung. Mit Erfahrung aus über 200 Projekten in verschiedensten Branchen unterstützen wir dabei:

  • Transparenz über das bestehende Lieferantenportfolio herzustellen und Optimierungspotenziale zu identifizieren
  • Unternehmensspezifische Auswahlkriterien und Bewertungssystematiken zu entwickeln
  • Preferred Supplier Programme strukturiert aufzubauen und in bestehende Prozesse und Systeme zu integrieren
  • Lieferantensteuerung und Governance so zu gestalten, dass messbare Einsparungen und ein belastbarer EBIT-Beitrag entstehen
  • Teams zu befähigen, das Programm eigenständig weiterzuentwickeln

Wir arbeiten konsequent in Ihrer bestehenden Organisation, von Praktikern für Praktiker. Wenn Sie Ihr Lieferantenmanagement auf ein neues Level heben möchten, sprechen Sie uns gerne an. Wir zeigen Ihnen in einem ersten Gespräch, welche Hebel in Ihrer Situation den größten Unterschied machen.

5. August 2026/von Oliver Kreienbrink
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