
Sven Cames
KPIs für ein strategisches Einkaufsdashboard
In diesem Blogbeitrag zeigen wir, warum viele Einkaufsdashboards trotz hoher Detailtiefe nur begrenzten Mehrwert liefern und was ein strategisches Dashboard wirklich leisten muss. Wir erläutern, welche Kennzahlen für ein wirkungsvolles Einkaufsdashboard relevant sind, wie sie strukturiert werden können und wie aus reiner Transparenz echte Steuerungsfähigkeit entsteht.
In vielen Einkaufsabteilungen zeigt sich ein bekanntes Muster: Teams investieren beträchtliche Arbeitszeit in die Entwicklung aufwändiger Dashboards, nur um festzustellen, dass diese kaum zur besseren Steuerung des Einkaufs beitragen. Die Ursache liegt dabei selten in mangelnder technischer Umsetzung oder unzureichender Datenqualität. Vielmehr scheitern Dashboards häufig an einem grundlegenden Problem – sie beantworten nicht die richtigen Fragen. Ein Dashboard kann noch so technisch ausgereift sein, doch wenn es die entscheidenden Fragestellungen des Einkaufs nicht adressiert, bleibt sein Wertbeitrag beschränkt.
Der Schlüssel zu erfolgreichen Dashboards liegt in der kontinuierlichen Überwachung kritischer Kennzahlen. Dabei geht es nicht um statische Momentaufnahmen, sondern um die Visualisierung zeitlicher Entwicklungen. Durch die Darstellung von Trends und Veränderungen im Zeitverlauf ermöglichen moderne Dashboards eine frühzeitige Erkennung von Entwicklungen und schaffen die Grundlage für proaktive Steuerungsmaßnahmen.
Von der Information zur Handlung
Ein fundamentaler Unterschied besteht zwischen rein informativen und handlungsorientierten Dashboards. Während informative Dashboards Daten primär zur Kenntnisnahme präsentieren, gehen handlungsorientierte Dashboards einen entscheidenden Schritt weiter. Sie übersetzen Kennzahlen in konkrete Handlungsoptionen und schaffen damit die Voraussetzung für datengestützte Entscheidungen. Diese Handlungsorientierung manifestiert sich in mehreren Elementen. Zunächst verknüpft ein effektives Dashboard Kennzahlen direkt mit operativen Stellschrauben, die angepasst werden können. Darüber hinaus definiert es klare Schwellenwerte, die signalisieren, wann Handlungsbedarf besteht. Der historische Kontext zeigt auf, welche Auswirkungen frühere Maßnahmen hatten und ermöglicht damit ein Lernen aus der Vergangenheit. Diese Kombination schafft die Basis für fundierte Entscheidungen in Echtzeit.
Beispielhafte KPIs im Überblick
Die Auswahl geeigneter Kennzahlen hängt wesentlich davon ab, welche Aspekte des Einkaufs gesteuert werden sollen. Im Folgenden werden zentrale Kennzahlen nach thematischen Schwerpunkten vorgestellt, die zusammen ein umfassendes Bild der Einkaufsleistung ermöglichen.
- Kostenbezogene KPIs
- Einsparungen durch Verhandlungen: Dieser KPI misst die erzielten Einsparungen durch Preisverhandlungen mit Lieferanten im Vergleich zu den vorherigen Preisen oder zum Budget.
- Kosten pro Bestellung: Dieser KPI gibt die durchschnittlichen Kosten für die Abwicklung einer einzelnen Bestellung an und hilft, ineffiziente Prozesse zu identifizieren.
- Gesamte Einkaufskosten: Dieser KPI erfasst die gesamten Kosten für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen und ermöglicht eine Gesamtübersicht über die Beschaffungsaufwendungen.
- Preissteigerungsrate: Dieser KPI misst, wie stark die Preise für bestimmte Güter oder Dienstleistungen im Zeitverlauf steigen.
- Kosten für Qualitätsmängel: Dieser KPI erfasst die Kosten, die durch Mängel in den gelieferten Produkten oder Dienstleistungen entstehen, wie z.B. Reklamationen oder Rücksendungen.
- Qualitätsbezogene KPIs
- Liefertermintreue: Dieser KPI misst, wie zuverlässig Lieferanten ihre Liefertermine einhalten.
- Reklamationsquote: Dieser KPI gibt den Prozentsatz der reklamierten Waren oder Dienstleistungen im Verhältnis zur Gesamtzahl der erhaltenen Bestellungen an.
- Fehlerrate: Dieser KPI erfasst die Anzahl der Fehler in den gelieferten Produkten oder Dienstleistungen.
- Lieferantenbewertung: Dieser KPI bewertet die Leistung der Lieferanten anhand verschiedener Kriterien wie Qualität, Termintreue und Kommunikation.
- Effizienzbezogene KPIs
- Bestellzykluszeit: Dieser KPI misst die Zeit, die von der Bestellung bis zur Lieferung vergeht.
- Bestellhäufigkeit: Dieser KPI gibt an, wie oft Bestellungen in einem bestimmten Zeitraum aufgegeben werden.
- Beschaffungsvolumen unter Management: Dieser KPI misst, wie viel von den Gesamtausgaben des Unternehmens aktiv von der Beschaffungsabteilung verwaltet wird.
- Weitere KPIs
- Lieferantenvielfalt: Dieser KPI misst die Anzahl der unterschiedlichen Lieferanten, die für die Beschaffung genutzt werden.
- Nachhaltigkeit: Diese KPIs berücksichtigen ökologische und soziale Aspekte in der Beschaffung, wie z.B. die Vermeidung von CO2-Emissionen oder die Berücksichtigung fairer Arbeitsbedingungen bei Lieferanten.
Die verschiedenen Kategorien von KPIs, von kosten- und qualitätsbezogenen Kennzahlen über lieferanten-, innovations-, risikomanagement- bis hin zu nachhaltigkeitsbezogenen KPIs, bieten einen umfassenden Rahmen zur Bewertung der Einkaufsleistung in all ihren Facetten.
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Strategische Bedeutung eines resilienten Einkaufs für KMUs in Deutschland
/von Sven Cames