
Oliver Kreienbrink
Der Einkäufer. Ein Alleskönner – oder doch noch nicht?
Dieser Blogbeitrag fasst zusammen, wie sich das Rollenbild des Einkaufs in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Er zeigt, warum der moderne Einkäufer längst mehr ist als Besteller und Verhandler und welche Kompetenzen heute gefragt sind, von Warengruppen- und Risikomanagement über Daten- und ESG-Know-how bis hin zu Digitalisierung und KI. Gleichzeitig wird deutlich, welche Konsequenzen dieser erweiterte Anspruch für Weiterbildung, Recruiting und die strategische Weiterentwicklung von Einkaufsorganisationen hat.
Bei Gesprächen mit Bedarfsträgern steht der Einkauf eines Unternehmens noch heute für die Personen, die schleunigst Bestellungen auslösen sollen und ansonsten noch über einen Rabatt verhandeln können. Auch wenn dieses Bild sich langsam ändert, im Grund behauptet jeder Mitarbeiter eines Unternehmens, dass einkaufen ja jeder kann.
Schaut man sich die Aufgaben eines modernen Einkaufs an, erweitert sich das Anforderungsprofil in den letzten Jahren kontinuierlich. Eine kurze Formel für das Anforderungsprofil eines Mitarbeiters im Einkauf lautet heute: „Category + Data + ESG“. Gesucht wird ein kaufmännischer Mitarbeiter, der gerne auch ein Grundverständnis für die Technik hat und darüber ein fundiertes Wissen über Warengruppen, Risiko, Daten, Nachhaltigkeit, Verhandlungen, Kommunikation, Stakeholder und internationale Lieferketten vorweisen kann.
Übersetzt man das in ein Stellenprofil sollte heute jeder Stellenanzeige für einen Einkaufsmitarbeiter folgende Aufgaben umfassen:
- Erarbeitet Warengruppenstrategien, die geprüft auf Resilienz, Compliance und TCO die bestmögliche Einkaufslösung ergeben
- Führt regelmäßig Audits durch, die das Supplier Risk Cockpit hinsichtlich Engpässe, Finanz-/Geo-/ESG-Risiken füllen und hat klare Playbooks bei Ausfällen
- Hat ein rechtliches Grundverständnis und kann daraus Verträge mit Indexierung, Multi-Sourcing Optionen, Flex-Kapazitäten und Exit-Klausen bauen und verhandeln
- Versteht es, ein Traceability-Backbone aufzubauen mit Blick auf EUDR/LkSG/CSDDD inkl. Datenmodell und Nachweisen
- Dashboards erarbeiten, die dem Management in übersichtlicher Form und mit präzisen Angaben, die u.a. die aktuellen monetären Effekte seiner Arbeit und Risikoparameter für die kurz-, mittel- und langfristige Planung zur Verfügung stellt
- Zielgerichtete Kommunikation, um interne und externe Stakeholder von den Erfolgen des Einkaufs zu überzeugen
- Optimiert regelmäßig Einkaufsprozesse und automatisiert dort, wo es sinnvoll ist
- Ist sich der Notwendigkeit von Stammdaten, Prozessen und Datenschnittstellen für eine erfolgreiche KI-Nutzung bewusst, nutzt selbstständig KI-Anwendungen
- Reduziert regelmäßig die Ausgaben für Material und Dienstleistung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens
Diese Anforderungen schreien nicht nur nach Weiterbildung für die eigenen Mitarbeiter, sie sind zudem auch ein umfangreicher Auftrag an die Personalabteilungen. Dieser Talent & Skill-Mix fordert einen verschärften Recruiting-/Up-Skilling-Prozess, damit die Einkaufsabteilungen nicht den Wettlauf mit Marketing und Vertrieb verlieren.
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